Lungenkrautexkursion im Rurtal am 25. März. 2023
 

Im Jahreslauf bildet die Krautschicht in Laubwäldern einen frühen Vegetationshöhepunkt. Außer spezialisierten Schattenpflanzen sind alle anderen darauf angewiesen, praktisch ihren ganzen Jahreszyklus in der kurzen Zeit bis zum Laubaustrieb der Bäume durchzuziehen. Deshalb brauchen sie Speicherorgane, die es ihnen erlauben auszutreiben, wenn die Sonnenscheindauer eigentlich noch zu kurz ist.

Schon kurz nach dem Beginn der Wanderung in Abenden wurde als typisches Beispiel das Scharbockskraut (Ficaria verna, links) angetroffen. Es besitzt Wurzelknollen als Speicherorgane, die ausgegraben und demonstriert werden konnten. Der Glanz der Blütenblätter soll nektarsuchende Fliegen anlocken. Tatsächlich ist es aber eine Täuschung. Eine Luftschicht in den Blättern erzeugt den Glanzeffekt.

Ebenfalls sehr früh blüht das Erbeer-Fingerkraut (Potentilla sterilis, unten). Der deutsche Name bezieht sich auf die Ähnlichkeit mit der Wald-Erdbeere. Ein Unterscheidungsmerkmal sind die weißen Kronblätter, die sich bei der Erdbeere berühren, beim Erdbeer-Fingerkraut aber nicht.

In der Nähe kamen auch Hainbuchen (Carpinus betulus) vor, deren Kätzchen zwar schon entwickelt, aber noch nicht ganz aufgeblüht waren. Als Wald bilden Hainbuchen (mal mit, mal ohne Eichen) Eichen-Hainbuchen-Wälder (Carpinion betuli). Wie weit Eichen-Hainbuchen-Wälder bei uns natürlich sind, ist nicht ganz klar. Eichen und Hainbuchen sind viel regenerationsfähiger und können bei bestimmten Wirtschaftsformen, z.B. als Niederwald, die Rotbuche verdrängen.

Im Schliebachtal  gibt es ein kleines Vorkommen des äußerst seltenen Berg-Lungenkrauts (Pulmonaria montana, rechts). Die Art blüht sehr früh und ist eine Austrahlung der atlantischen Eichen-Hainbuchen-Wälder. Das Gleiche gilt für die Narzissen, die im belgischen Grenrzaum und die Hasenglöckchen, die nahe der niederländischen Grenze gerade noch Deutschland erreichen.

 

 

Bis Zerkall gab es immer wieder Ausblicke auf die Burg Nideggen mit den markanten Buntsandsteinfelsen. Mit dem Wetter hatten wir Glück. Allerdings war es sehr windig und der Himmel entsprechend zerzaust.

Höhepunkt war das Vorkommen des Dunklen Lungenkraut (Pulmonaria obscura). Die Art ist in den Kalkmulden der Eifel verbreitet, wo sie in anspruchsvollen Waldtypen, z.B. dem Haargersten-Buchen-Wald, wächst. In der Rureifel ist die Pflanze dagegen sehr selten.

Die Tour endete in Obermaubuch am Stausee, wo wir ganz zum Schluss noch einen Regenschauer abbekommen haben.

    Nach Zerkall ging es hinauf in den steilen Südwesthang. Hier steht größtenteils ein magerer Eichenwald. An einer Stelle war der Boden sehr viel besser und die Krautschicht reich entwickelt. Neben häufigeren Arten wie Anemonen und dem Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana, unten) wurde auch Mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides) angetroffen, die allerdings noch nicht blühte.