5. Febr. 2026
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
Waldwirtschaft ökologisch und nachhaltig
Karl Josef Strank
Die einst vom dunklen Grün der Fichten überzogenen Hänge des Brockens im Harz sind heute von tristem Grau und kahlen Holzgerippen bestanden. Ein trauriger Anblick. Vielen ist ein solches Bild unerträglich, weil sie eine andere Vorstellung vom „schönen Wald, der aufgebaut so hoch dort oben“, haben. Was gerade im Harz passiert, dass große Flächen von Borkenkäfern befallen absterben, hat sich Jahrzehnte vorher im Bayrischen Wald genauso abgespielt. Viele Waldbesitzer forderten den massiven Einschlag der befallenen Bäume, weil sie befürchteten, dass die „Kalamität“ auch auf ihre Wälder übergreift. Die Nationalparkverwaltung entschied aber, die Strategie des Nichtstuns beizubehalten. Hauptkennzeichen von Nationalparks ist es, der Natur freien Lauf zu lassen und nicht einzugreifen. Zu oft hat, nach menschlichen Vorstellungen das Beste zu wollen das genaue Gegenteil bewirkt und die Situation nur verschlimmert. Die Strategie des Nichtstuns wird auch im Harz angewendet. Die weiten Fichtenforste, die jetzt den Borkenkäfern zum Fraß überlassen werden, sind nicht natürlichen Ursprungs, denn diese Holzplantagen sind menschengemacht. Sie dienten der Produktion von Bauholz für den Bergbau, der inzwischen weitgehend Geschichte ist. Ohne das Zutun des Menschen hätten sich Fichten nicht so weit verbreitet. Ihre angestammte Region ist der Bergwald.
Abgestorbene Fichten am Brocken im HarzDie konventionelle Forstwirtschaft mit Kahlschlag und anschließender Wiederaufforstung ist kostenintensiv. Die ökologische Waldwirtschaft setzt auf natürliche Verjüngung. Der Wald ist ein komplexes Ökosystem und erhält sich selbst. Ohne Eingriffe würden weite Teile Deutschlands wieder zu Wald werden. Zu Zeiten der frühen Industrialisierung waren bei sehr hohem Holzbedarf viele Wälder übernutzt und zu Heide und mageren Triften degradiert. Heute liegt in Deutschland der Waldanteil flächenmäßig bei etwa einem Drittel.
Klimabedingte Trockenzeiten, die immer häufiger auftreten, setzen den Bäumen, insbesondere den flach wurzelnden, zu. Der heimische aber seltene Speierling gilt neben anderen Arten als „Klimabaum“. Er wächst langsam, bildet mehrere verzweigte Hauptwurzeln, mit denen er tief in den Boden eindringt und ist resistent gegen Trockenheit. Äußerst wichtig sind Habitatbäume mit alten, dicken Stämmen, die vielen Tieren als Lebensraum dienen. Sterben sie ab, verbleiben sie im Wald, vermodern vor Ort und sind Nahrung für Pilze und eine Vielzahl von Insekten und Bodenorganismen. Nachhaltig ökologisch bewirtschaftete Wälder erhalten das PEFC-Siegel. Es steht für Program for the Endorsement of Forest Certification und ist das weltweit führende, unabhängige Gütesiegel für nachhaltige Waldwirtschaft. Das Siegel auf Holz- und Papierprodukten garantiert, dass das Holz aus ökologisch, ökonomisch und sozial verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammt. Es steht für eine lückenlose Kontrolle der Verarbeitungskette vom Wald bis zum fertigen Produkt. Ab hier beginnt die Verantwortung des Verbrauchers.
zuletzt bearbeitet am 7.III.2026