12. Febr. 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Krokusse in Parks und Friedhöfen

Joachim Schmitz

Krokusse gehören zu den beliebtesten Frühjahrsblühern im Garten. Obwohl sie in Gartenkatalogen üblicherweise als Zwiebelpflanzen aufgeführt werden, überwintern sie tatsächlich als (Spross-)Knolle. Überwinterung mit unterirdischen Sprossen ist typisch für die Familie der Schwertliliengewächse. Die meisten Arten stammen aus dem Mittelmeerraum. Am weitesten nach Norden hat es der Weiße Krokus (Crocus albiflorus) geschafft, der wild in den Alpen vorkommt.

Die Abgrenzung der einzelnen Sippen war schon immer sehr umstritten. Für den HEGI (Ill. Flora von Mitteleuropa) bestand die Gattung vor hundert Jahren noch aus 80 Arten. Neuere Bearbeitungen erkennen bis zu 241 Arten an.

Gelegentlich verwildern Krokusse auch spektakulär in Parks. Bekannte Beispiele sind der Schlosspark in Husum in Schleswig-Holstein und ein Vorkommen in Bad Teinach-Zavelstein in Baden-Württemberg. Früher wurden beide als Frühlings-Krokus (C. vernus) geführt. Vor Kurzem wurden sie als Übersehener Krokus (C. neglectus) identifiziert. Die Art stammt aus Italien und ist erst 2014 als eigenständige Art erkannt und beschrieben worden. Die Art soll auch in Bonn vorkommen. In einer Bonner Lokalflora wird nur C. vernus für Bad Godesberg erwähnt. Vermutlich handelt es sich hier auch um den Übersehenen Krokus. Übrigens lässt sich der Weiße Krokus aus den Alpen nur schwer im Flachland kultivieren. Auch diese Art wurde früher nicht vom Frühlings-Krokus unterschieden.

In Aachen und Umgebung macht sich eine weitere Art breit, der Dalmatiner Krokus (C. tommasinianus), auch Elfen- oder Bauern-Krokus genannt. Wie der deutsche Name schon nahelegt, stammt die Art aus Südosteuropa von Ungarn bis Bulgarien. Sie blüht selbst für Krokusse sehr früh, schon ab Februar. Im lichten Schatten größerer Bäume bildet sie große Rasen aus. Die gleichmäßige Verteilung der Pflanzen lässt vermuten, dass sie nicht nur aus Tochterknollen sondern auch leicht aus Samen verwildern. Zuerst ist mir das auf dem Friedhof Aachen-Lintert aufgefallen. Inzwischen habe ich die Art auf etlichen weiteren Friedhöfen und Parkanlagen gefunden. Das Foto unten stammt von einem kleinen Zwickel an der Krefelder Straße in Aachen nahe der Bastei.

Manchmal findet man auch angepflanzte Kultursorten, vermeintlich als ökologische Aufwertung. So habe ich vor Kurzem Silberlack-Krokus (C. versicolor) an der Mühlenbachstraße am Westrand von Kohlscheid gefunden. Hochgezüchtete Kultursorten können sich kaum selbst halten, geschweige denn sich vermehren. Hier bestätigt sich der alte Spruch: Das wirkliche Gegenteil von gut ist nicht schlecht sondern gut gemeint.

 

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zuletzt bearbeitet am 7.III.2026