19. Febr. 2026
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
Kohl, ein leckeres Superfood
Ruth Gestrich-Schmitz
Die jecke Jahreszeit ist vorbei, und mancher einer muss sich nun davon erholen. Ausreichend Schlaf und viele Vitamine und Mineralstoffe helfen da bestimmt. Was schmeckt lecker und versorgt den Körper mit wertvollen Inhaltsstoffen? Auch wenn mache die Nase rümpfen, der im Rheinland „Kappes“ genannte Kohl bietet das alles.
Schon Plinius empfahl den Römern, bei übermäßigem Alkoholgenuss, Kohl gegen den „Kater“ danach zu essen. Kohl wurde und wird wegen seines hohen Gehalts an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen als Gemüse geschätzt. Senfölglykoside und andere schwefelhaltige Verbindungen sind für den typischen Geschmack verantwortlich. Kohl lässt sich mittels Milchsäuregärung haltbar machen: Mit aus Weißkohl hergestelltem Sauerkraut war man früher auch im Winter ausreichend mit Vitaminen und Nährstoffen versorgt. Auf langen Schiffsreisen nahm man Fässer voll mit Sauerkraut mit, damit die Seeleute nicht an Mangelerkrankungen starben. Kimchi ist die scharfe koreanische Variante, Chinakohl zusammen mit anderen Gemüsen zu vergären.
KohlrabiDie Wildform des Kohls wächst an den Küsten des Atlantiks und ist bei uns in den Sandsteinfelsen auf Helgoland zu finden. Auch an den Küsten des Mittelmeeres sind diverse Wildkohlarten verbreitet. Der Markstammkohl, heute fast nur noch als Viehfutter genutzt, gilt als ursprünglich.
Alle Wildkohlarten und Kulturvarietäten sind untereinander kreuzbar. Deshalb haben sich im Lauf der Zeit so viele verschiedene Varietäten aus dem Gemüsekohl (Brassica oleracea, aus der Familie der Kreuzblütler) entwickelt: Rot-, Weiß-, Spitzkohl, Wirsing, Grün-, Rosen-, Blumenkohl, Broccoli, Kohlrabi. Gemeinsames Kennzeichen: gelbe Blüten mit vier Blütenblättern, typisch für Kreuzblütler.
Kohl wächst in der Regel zweijährig: Im ersten Jahr bildet sich eine stark vergrößerte Endknospe, deren Blätter bei einigen Varietäten einen Kopf formen. Erntet man den Kohl nicht, erscheinen im zweiten Jahr gelbe Blüten, aus denen sich nach Befruchtung schmale Schoten mit Samen entwickeln.
Kohl wird seit alters her auch als Heilmittel genutzt: Als Hausrezept gegen Gelenkerkrankungen und Gicht sind Pflaster und Umschläge aus Kohlblättern bekannt. Senfölglykoside wirken antibiotisch, entzündungshemmend.
Auf allen Kontinenten wird Kohl angebaut. Voraussetzung: ausreichend Feuchtigkeit und gute Nährstoffversorgung. Nach Tomaten ist Kohl das meistangebaute Gemüse der Welt. Allein in Deutschland kann man über das ganze Jahr verteilt irgendeine regional angebaute Kohlsorte kaufen und zu leckeren Gerichten verarbeiten. So schmecken Brokkoli-Pancakes, Nudeln mit gebratenem Weißkohl, Kimchi-Spätzle oder Grünkohlchips nicht nur den Großen, sondern auch den Kindern. Ich war freudig überrascht, wie vielen Schüler*innen roher Kohlrabi, Kimchi und Sauerkraut beim Unterrichtsmodul „Superfood Kohl“ am eXploregio.mobil, der mobilen Unterrichtsstation des Netzwerks der außerschulischen Lernorte, eXploregio.net, mundeten.
zuletzt bearbeitet am 7.III.2026