26. Febr. 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Vogel: klein mit Irokesenscheitel – das Wintergoldhähnchen

Karl Josef Strank

Als ich vor einigen Tagen in der Obstwiese im Rabental an Bäumen arbeitete, bemerkte ich im Augenwinkel einen kleinen Vogel, der an den Zweigen entlanghüpfte und immer wieder mit dem Schnabel pickte. Als ich genauer hinschaute, bemerkte ich ein Weibchen des Wintergoldhähnchens. Jetzt im Winter ist es einfacher zu sehen als im Sommer, denn viele verbringen diese Jahreszeit als Gäste bei uns und sind so auch in offeneren Landschaften, Parks und Gärten häufiger anzutreffen. Wintergoldhähnchen sind mit gerade einmal fünf bis sechs Gramm die kleinsten und leichtesten Vögel Europas. Sie sind noch kleiner als Zaunkönige, ebenfalls Winzlinge mit erstaunlich lauter Stimme. In dieser Hinsicht können sie nicht mithalten. Mit einem feinen, wispernden Gesang, der zyklisch wiederholt wird und oft mit einem Triller endet, macht es auf sich aufmerksam. In aggressiver Stimmung ist es ein scharfes, schnalzendes „zick“. Bei Gefahr lässt das Wintergoldhähnchen ein hohes, schrilles „sri-sri-sri“ drei- bis viermal wiederholt als Alarmruf hören.

Die kleinen Vögel sind auf der Oberseite olivgrün, die Bauchseite schmutzig weiß. Sofort ins Auge fällt der „Irokesen“scheitel, der zwar nicht aufgerichtet ist, der bei Männchen orange, bei Weibchen gelb gefärbt ist. Er ist von schwarzen Längsstreifen eingerahmt, was den Kontrast verstärkt und die Färbung nur noch kräftiger hervortreten lässt. In der Balz spreizen die Männchen die Federn des Scheitels. Die schwarzen großen Knopfaugen sind von hellen Federn umgeben. Die Sommergoldhähnchen, die im Übrigen genauso aussehen, haben schwarze Augen- und Überaugenstreifen.

Die Vögel sind rastlos hüpfend in den Baumkronen unterwegs und tagsüber vor allem damit beschäftigt, ausreichend Nahrung zu finden. Das sind vor allem kleine weichhäutige Insekten wie Springschwänze, und Spinnen. Die Weibchen fressen zur Eiablage, die sehr viel Energie erfordert, auch kleine Gehäuseschnecken. Auf der Suche nach Insekten klettern sie oft – wie auch Meisen – auf der Astunterseite herum und sammeln diese von der Unterseite der Blätter und Nadeln.

Der bevorzugte Lebensraum des winzigen Wintergoldhähnchen ist der Nadel- und Mischwald. Zur Brutzeit bevorzugen sie meist Fichtenwälder. Im dichten Nadelbaumgeäst bauen sie ihre kunstfertigen Nester als hängenden kugelförmigen Napf. Dazu verwenden sie Spinnstoffe aus den Eierkokons von Spinnen und den Gespinsten einiger Raupenarten, was die Hängenester besonders stabil macht. Wintergoldhähnchen brüten zweimal im Jahr. Die winzigen Weibchen können bis zu zwölf Eier legen. Das Gelege kann dann bis zu anderthalbmal so viel wiegen wie der Vogel.

Wintergoldhähnchen bleiben in der Regel das ganze Jahr über bei uns. Als Wintergäste kommen Vögel aus dem Nordosten hinzu. Demnach sind sie ganzjährig zu beobachten und gelten mit einem recht stabilen Bestand von 910.000 - 1.350.000 Brutpaaren in Deutschland als nicht gefährdet. Verluste entstehen vor allem in harten Wintern und durch Windverdriftung beim Zug.

 

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zuletzt bearbeitet am 7.III.2026