5. März 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Lerchensporne im Rheinland

Joachim Schmitz

Die 300-400 Arten dieser Gattung kommen überwiegend auf der Nordhalbkugel vor. Im Rheinland sind drei davon einheimisch. Alle drei sind ausgesprochene Frühjahrsblüher und überwintern mit Knollen.

Am häufigsten ist der Gefingerte Lerchensporn (Corydalis solida). Der Name bezieht sich auf die eingeschnittenen Blätter im Blütenstand, was auch das Erkennungszeichen der Art ist. Der lateinische Name solida (=fest) meint die Knolle, die im Gegensatz zur folgenden Art massiv ist. Bevorzugte Biotope sind Wälder und Gebüsche auf relativ feuchten und nährstoffreichen, gerne lehmigen Böden. Solche Verhältnisse gibt es oft an Bächen und kleineren Flüssen. Nach meinem Eindruck hat sich die früher seltene Art in den letzten Jahren stark ausgebreitet. Grund ist vermutlich die allgemeine Aufdüngung aus der Luft, z.B. durch die Güllewirtschaft.

Die zweite Art ist der Hohle Lerchensporn (C. cava). Hohl ist hier die Knolle. In ganz alten Bestimmungsbüchern wurde der Benutzer deshalb aufgefordert, die Pflanze mit Knolle auszugraben, um das zu überprüfen. Heute geht es schonender: Im Gegensatz zum Gefingerten Lerchensporn sind die Blätter im Blütenstand ungeteilt. Ökologisch bevorzugt werden Mullböden auf Kalkuntergrund. So etwas findet sich in anspruchsvolleren Eichen-Hainbuchen- und Buchen-Wäldern. Außerdem ist die Art wärmeliebender. Deshalb gibt es in der Nordeifel nur wenige Fundorte. Der einzige im Aachener Stadtgebiet ist im NSG Frankenwäldchen bei Kornelimünster. Nach Süden wird die Art dann immer häufiger.

Eine große botanische Rarität ist der Mittlere Lerchensporn (C. intermedia). Westlich des Rheins kommt die Art nur an wenigen Stellen in der Osteifel vor. Am bekanntesten ist das Vorkommen an der Nürburg. Hier wächst sie im Laubwald auf grobem vulkanischen Schutt. Wie bei anderen speziellen Arten vulkanischer Blockschutthalden handelt es sich vermutlich um ein Eiszeitrelikt. Bezeichnenderweise verträgt sie wesentlich kühleres Klima als die beiden vorigen Arten. Morphologisch unterscheidet sich die Art vom Gefingerten Lerchensporn durch die ungeteilten Blätter im Blütenstand und vom Hohlen Lerchensporn durch den kleineren Blütenstand mit bis zu 8 höchstens 15mm langen Blüten.

Mittlerer Lerchensporn an der Nürburg.

Lerchensporn im Garten

Nach einer britischen Quelle von 1997 werden in Europa seit 1980 ca. 150 Lerchensporn-Arten kultiviert. Davon ist in Deutschland allerdings nichts zu merken. Der einfach zu haltende Gefingerte Lerchensporn taucht nur selten im Handel auf. Von den Exoten wird schon mal Sichuan-Lerchensporn (C. flexuosa) angeboten, der durch die blauen Blüten hervorsticht. Übrigens hat diese Art keine Knollen sondern einen Wurzelstock. Der häufig an Mauern verwildernde Gelbe Scheinlerchensporn (Pseudofumaria lutea) gehört seit Jahren nicht mehr hierhin, wird aber bei manchen Gärtnereien noch unter Lerchensporn gelistet.

 

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zuletzt bearbeitet am 13.IV.2026