12. März 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Giersch, mehr als nur ein Unkraut

Karl Josef Strank

Giersch wird oft als „Fluch des Gärtners“ betitelt. Hat er sich erst einmal im Garten etabliert, ist es fast unmöglich, ihn wieder loszuwerden. Er kann Gärtnerinnen und Gärtner zur Verzweiflung bringen. Die mehrjährige Pflanze breitet sich im Garten rasant aus. Dabei überwuchert sie auch andere Pflanzen und kann so das mühselig erzeugte gepflegte Gartenbild zunichtemachen. Er wächst im feuchten Schatten unter Hecken und Sträuchern, verkrallt sich mit seinen unterirdischen Trieben in das Wurzelgeflecht anderer Pflanzen und ist von daher kaum zu entfernen. Eigentlich hilft nur Ausgraben und die Erde durchsieben, denn bleiben selbst kleinste Stückchen seines wurzelähnlichen Sprosses - es genügt ein kleiner Teil des Stängels mit einem Blattknoten - im Boden zurück, treibt er aus diesen wieder aus und regeneriert in kürzester Zeit eine vollständig neue, lebensfähige Pflanze. Es mutet an wie der aussichtslose Kampf gegen die vielköpfige Medusa.

Die basalen Fiedern sind ungleich geteilt.

Ein Merksatz für die typischen Merkmale lautet: „Drei mal drei, bist beim Giersch dabei“. Drei Teile hat das Blatt, das wiederum dreigeteilt ist. An dem dreikantigen, gefurchten kahlen Stängel sitzen die länglich eiförmigen Blätter mit gesägtem Rand. Zerreibt man sie, riecht es nach Petersilie. Giersch ist bekannt für sein kräftiges Wachstum und die Fähigkeit, sich schnell über Rhizome auszubreiten. In der Zeit von Mai bis September blüht Giersch und produziert weiße, schirmartige Blütendolden, die aussamen und zur weiteren Verbreitung beitragen.

Gemeinhin gilt Giersch als Unkraut, es steckt aber mehr in ihm. Er bietet Insekten wie Bienen und Faltern eine gute Nahrungsquelle und er ist essbar, gesund und lecker. Der botanische Name Aegopodium kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Ziegenfuß“, denn die Blattachseln erinnern an die Füße von Ziegen. Als Wildgemüse dürfte Giersch schon in der Steinzeit gesammelt und gegessen worden sein: Er galt als Frühlingsbote, weil er schon ab März sein üppiges Blattwerk entwickelt und eine unschätzbare Quelle für Vitamin C darstellte. Er ist viermal so reich an Vitamin C wie Zitronen und reich an Vitamin A, Kalium, Eisen und Magnesium. Darüber hinaus enthält er u.a. Beta-Karotin und Kumarine. Schon bei den Römern war Giersch als Gemüse und als Heilpflanze beliebt. Im Mittelalter wurde er sogar in den Klöstern angebaut. Die Blätter können zu Salat, Smoothies und Pesto verarbeitet oder zum Würzen von Dips und Quark verwendet werden. Sein Geschmack erinnert an Petersilie. Auch für die Zubereitung von warmen Gerichten wie Suppe und Quiche eignet sich das Kraut. Er ist ein probates Hausmittel gegen verschiedene Beschwerden, denn er enthält ätherische Öle, die heilende Wirkung bei Rheuma und Gicht haben. Der Artname podagraria bedeutet „die Gicht heilend“. Die Mineralien des Giersch neutralisieren die Harnsäure und mildern auch andere Gelenkschmerzen. Giersch entwässert, ist harntreibend, bremst Entzündungen und wirkt verdauungsanregend und entgiftend. In der Volksheilkunde bekam er den Namen „Zipperleinskraut“.

 

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zuletzt bearbeitet am 13.IV.2026