19. März 2026
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
Pestwurz - eine sonderbare Gattung
Joachim Schmitz
Zu den frühesten Blühern im Jahr gehören die Pestwurz-Arten. Wie beim verwandten Huflattich erscheinen zuerst die Blütenstände, die zunächst relativ klein sind, sich aber bis zur Fruchtreife noch erheblich strecken. Erst nach der Blüte erscheinen die Blätter, die zu beträchtlicher Größe heranwachsen können. Das hat der Gattung auch den Namen gegeben. Schon der antike griechische Gelehrte Dioskurides nannte sie pétasos. So hieß ein großer, breitkrempiger Hut. Daraus leitet sich der wissenschaftliche Name Petasites ab. Besonders die Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) hat Blätter, unter denen sich Kinder verstecken können!
Der deutsche Name hat seinen Ursprung in der schweißtreibenden Wirkung der Blätter. Schwitzkuren galten im Mittelalter als Therapie gegen die Pest. Bei Paracelsus und Leonhard Fuchs taucht erstmals die Bezeichnung Pestwurz auf.
Die Verteilung der Geschlechter in den Blütenständen ist sehr ungewöhnlich. Als typischer Köpfchenblütler sind die winzigen Blüten in Köpfchen zusammengefasst, die dann ihrerseits Köpfchenstände bilden. Davon gibt es zwei Sorten, die sich in der Ausprägung der Geschlechter unterscheiden. Die funktionell männlichen Pflanzen haben scheinbar zwittrige Blüten. Die weiblichen Blütenorgane sind aber verkümmert. Daneben gibt es in einem Köpfchen meistens auch noch wenige normale zwittrige Blüten. Nur aus diesen können später Früchte entstehen. Die Köpfchen funktionell weiblicher Pflanzen haben in der Mitte scheinbar zwittrige Blüten mit verkümmerten männlichen Organen, darum herum rein weibliche Blüten. „Männliche“ und „weibliche“ Köpfchenstände sehen auch etwas anders aus. Bei der Gewöhnlichen Pestwurz ist der Unterschied so groß, dass Linné die Formen für zwei verschiedene Arten gehalten hatte.
Im Rheinland gibt es zwei Arten: Die Gewöhnliche Pestwurz (P. hybridus) bevorzugt nährstoffreiche, feuchte bis nasse Böden, die auch mehrfach im Jahr überschwemmt sein können. Solche Bedingungen finden sich vor allem am Ufer von Bächen und kleineren Flüssen. Deshalb ist die Art in der Eifel noch relativ häufig. Im Flachland ist sie ziemlich selten. Das hat keine klimatischen Gründe sondern liegt daran, dass es hier kaum mehr unregulierte Fließgewässer gibt. Die meisten wurden begradigt oder gar kanalisiert.
Die Weiße Pestwurz (P. albus) bleibt viel kleiner als die Gewöhnliche Pestwurz. Auch sie mag es gerne nass, bevorzugt aber Laubwälder in höheren Lagen, wo sie dann an Waldquellen, durchsickerten Hangwäldern u.ä. Stellen wächst. Deshalb blüht sie auch etwas später, etwa ab April. Entsprechend dieser Ansprüche kommt sie häufig in den höheren Mittelgebirgen vor. In der nicht so hohen Eifel ist sie eine große Rarität. Ein Fundort liegt im Nationalpark. Das Foto ist bei Hollerath entstanden.
Bei der Weißen Pestwurz sind die abgebildeten „männlichen“ Köpfchenstände kompakter als die „weiblichen“.
zuletzt bearbeitet am 13.IV.2026