21. Mai 2026
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
Die Verwandlung eines Marienkäfers
Ruth Gestrich-Schmitz
Jetzt sind sie wieder da, die gefräßigen grünen Blattläuse an den Rosenknospen. Noch sind keine Marienkäfer-Larven in Sicht, zu deren Lieblingsspeise die Blattläuse gehören. Es kann aber nicht mehr lange dauern, denn nach der Überwinterung unter großen Steinen, Rinde oder Laub, in Moos oder Gras, haben die Marienkäfer mit der Kopulation begonnen. Von Ende April bis Anfang Mai legen die Marienkäfer-Weibchen bis zu vierhundert Eier in Portionen von bis zu sechzig Stück an Blattunterseiten oder in Ritzen von Rinde ab. Abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit schlüpfen nach fünf bis acht Tagen die Larven, wobei sie etwa eine Stunde brauchen, um das Ei zu öffnen, und noch eine Stunde, um die Eihülle vollständig abzustreifen.
In einem Zeitraum von dreißig bis sechzig Tagen wachsen die Larven heran, wobei sie sich, je nach Art, drei- bis viermal häuten. Sie sind sehr gefräßig und vertilgen während ihrer Larvenzeit jede bis zu dreitausend Blatt- oder Schildläuse!
Marienkäfer sind gut zu erkennen an den symmetrisch angeordneten Punkten auf ihren meist rot, gelb, schwarz oder braun gefärbten, halbkugeligen Deckflügeln. Für die rote Farbe etwa beim Siebenpunkt-Marienkäfer ist das Lycopin verantwortlich, das auch die Tomaten rot färbt, und α- und β-Carotin. Die schwarze Farbe wird durch ein Melanin erzeugt.
Larven von Marienkäfern sehen ihren Eltern gar nicht ähnlich. Sie sind meist langgestreckt, zwei bis fünfzehn Millimeter lang und blaugrau, braun oder gelb gefärbt mit gelben, orangefarbenen oder roten Flecken. Auf dem Körper verteilt finden sich schwarze oder rote Warzen, aus denen borstige Haare oder Dornen entspringen.
Sind die Larven ausgewachsen, kleben sie ihren Hinterleib mit einem Sekret an Blättern, Zweigen oder Rinde fest. Nach einer weiteren Häutung verpuppen sich die Larven in einer Mumienpuppe, wobei die Fühler und Gliedmaßen am Körper festkleben. Die Puppe beginnt sich einzurollen, die Farbe wird kräftiger, und man kann schon ahnen, dass daraus ein fertiger Marienkäfer schlüpft, nach sechs bis neun Tagen. Im vergangenen Jahr habe ich im Garten auf vielen Hibiskus-Blättern solche Puppen entdeckt und das Schlüpfen eines Käfers beobachtet: Gerade geschlüpft, ist er noch hell gefärbt und ziemlich unbeweglich. Nach einigen Stunden wird die Farbe der Deckflügel kräftiger, die Punkte erscheinen, das Chitin ist ausgehärtet und der Marienkäfer kann seinen ersten Flug starten.
Puppe des Asiatischischen MarienkäfersDie in Mitteleuropa vorkommenden Marienkäfer vermehren sich in der Regel zweimal pro Jahr: Die zweite Generation schlüpft im Juli/August und überwintert dann bis zum nächsten Frühling. Die Lebensdauer eines Marienkäfers beträgt etwa ein Jahr.
Die Mehrheit der Insekten unterzieht sich solch einer komplizierten Metamorphose. Im Puppenstadium wird der Larvenkörper komplett umgebaut inklusive der inneren Organe. Warum hat sich in der Evolution ein derartig radikaler Gestaltwechsel entwickelt? Forschende haben herausgefunden, dass Insekten mit Puppenstadium deutlich schneller wachsen als solche ohne Verpuppung, was von Vorteil ist bei knappen Ressourcen oder einer kurzen Saison.
zuletzt bearbeitet am 4.VI.2026