28. Mai 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Blume des Jahres: Der Acker-Rittersporn

Joachim Schmitz

Nach 1984 (Sommer-Adonisröschen), 2003 (Kornrade) und 2017 (Klatsch-Mohn) hat die Loki Schmidt-Stiftung dieses Jahr zum vierten Mal ein Ackerwildkraut zur Blume des Jahres gekürt. Daran kann man auch ablesen, dass die Intensivierung, um nicht zu sagen Industrialisierung der Landwirtschaft in den vergangenen 42 Jahren immer weiter fortgeschritten ist. Wurden 1984 und 2003 mit dem Adonisröschen und der Kornrade noch Arten ausgewählt, die schon seit der Einführung von Kunstdünger und chemischen Wildkrautvernichtern sehr selten geworden waren, hat man 2017 mit dem Klatsch-Mohn erstmals eine ehemalige Allerweltspflanze auf den Schild gehoben.

Der Acker- oder Feld-Rittersporn (Consolida regalis) ist eine Charakterart wärmeliebender Äcker auf Kalkböden. Schon deshalb ist er seltener als der Klatsch-Mohn. Aktuell kann man ihn im Dürener Muschelkalk, z.B. um Thuir und Muldenau, und im niedrigeren Ostteil der Sötenicher Kalkmulde finden.

Dass es diese Vorkommen überhaupt noch gibt, ist dem 2023 verstorbenen Bonner Prof. Wolfgang Schumacher zu danken. Ende der 1970er Jahre stieß er das Ackerrandstreifenprogramm an. Auf ausgewählten Äckern erhielten Bauern Ausgleichszahlungen, wenn sie einen etwa 10m breiten Randstreifen nicht düngten und dort keine Pestizide spritzten. Danach tauchten sogar verschollen geglaubte Arten wieder auf. Ackerwildkräuter sind bekannt dafür, dass die Samen lange im Boden überdauern können und bei passender Gelegenheit immer noch keimen können. Auch die Samen des Acker-Rittersporns können über 10 Jahre im Boden ruhen.

Das Ackerrandstreifenprogramm gibt es in NRW heute nicht mehr. Das war allerdings die Keimzelle für die heutige Vertragslandwirtschaft, die inzwischen viel mehr Biotope umfasst. Nicht damit zu verwechseln sind Blühstreifen. Hier werden Blumensamen eingebracht, leider auch manche fremde Art.

Der deutsche Name Rittersporn erscheint im 15. Jahrhundert. Auch etliche Volksnamen beziehen sich auf die Form der Blüte. Im Elsass hieß die Pflanze Odilienkraut. Die Heilige Odilia war Schutzpatronin des Elsass, aber vor allem der Augenkranken. In der Volksmedizin galt Rittersporn als Mittel gegen Augenkrankheiten.

Botanisch gibt es zwei Gattungen, die beide Rittersporn heißen. Für Linné war das wegen der ähnlichen Blüten noch alles Delphinium. 1821 stellte der englische Botaniker Gray die Gattung Consolida auf, zu der seitdem alles gehört, was einjährig wächst. Die ausdauernden Arten blieben bei Delphinium.

Letztere waren Lieblingsblumen des legendären Stauderngärtners und -züchters Karl Foerster. Heute gibst es unzählige Gartensorten. Eine einjährige Blume ist der Garten-Rittersporn (Consolida ajacis), der aus dem Raum rund ums Mittelmeer stammt.

Hinten ist die Blüte in den namengebenden Sporn ausgezogen..

 

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zuletzt bearbeitet am 4.VI.2026