11. Juni 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Die indische Kostuswurzel

Karl Josef Strank

Die Indische Kostuswurzel ist eine alte Heilpflanze aus dem Orient und gibt Rätsel auf. Die Droge Radix Costum war im Mittelalter Bestandteil zahlreicher Arzneimittel. Dioskorides bildet Teile einer getrockneten Wurzel ab, die über Arabien gehandelt wurde. Die indische Kostwurz, Saussurea costus, gehört mit ca. 300 anderen Arten zu den Asterngewächsen. Alle wachsen in den Gebirgsregionen von Europa, Asien und Nordamerika.

Aus einer dicken, sich verjüngenden Wurzel, die im Herbst und Frühjahr geerntet wird, wächst ein einfacher aufrechter Stängel 2-3 m hoch. Die ungefähr 30 cm langen Grundblätter sitzen an langen Stielen und sind fiederschnittig oder unregelmäßig gebuchtet mit großer oft dreieckiger Spitze und ganz oder unregelmäßig gezähntem Rand. Die oberen Blätter umfassen den Stängel und sind kleiner. Die lila bis blauschwarzen Blütenköpfe sind 2,5-3,5 cm breit und sitzen vereinzelt oder zu wenigen in dichten runden Endknäueln. Sie haben eiförmig-lanzettliche Kelchblätter mit schmalen verdrehten und zurückgebogenen Spitzen. Die 5 mm langen Samen hängen an unterschiedlich, bis 15 mm, langen Pappi.

Die Kostwurz wurde im Altertum schon auf der Seidenstraße nach Europa gebracht. Ein Handbuch für griechische Schiffer aus der Zeit Neros verzeichnet: „gegen Kupfer, Zink, Blei, Koralle, Topas, Amberbaumharz zur Herstellung von Räucherwerk und Düften, süßer Steinklee, Glasware, Weihrauch und dünngewebte Stoffe“ kamen im Tausch aus Indien „Narde und Nardenöl, Pfeffer, Perlen, Elfenbein, Seide, Musselin, Edelsteine, würziges Kostosöl, Myrrhe, Färbemittel und Heilkräuter“ nach Rom.

Dioskorides empfiehlt Bäder und Dampfbäder, Salben, Breie, Zäpfchen, Pulver, Tränke aus oder mit Costus zusammen zum Purgieren und Harntreiben, zum Herbeiführen der Periode, zur Beruhigung von Schmerzen insbesondere des Unterleibs und der Gebärmutter, gegen Fieber, Spulwürmer, Blähungen, Pickel, Hautunreinheiten und Leberflecken im Gesicht und gegen alte Wunden, gegen Hüftgicht, was wohl Ischias war, und gegen geschwollene Glieder.

Radix Saussureae enthält ein ätherisches Öl, das die Grundlage für zahlreiche Flüssigkeitsextrakte, Öle, Puder, Absude und andere Arzneimittel bildet. Das Öl darf nicht innerlich angewendet werden. In China wird die Kostwurz angebaut, nachdem der Export der Wurzeln in Indien wegen intensiven Sammelns und der Gefahr der Ausrottung verboten ist. Die Kostwurz ist streng artgeschützt.

Die ayurvedische Medizin verwendet sie als kräftigendes, anregendes und antiseptisches Mittel, als Aphrodisiakum wie auch als Empfängnis verhütendes Mittel und als Haarfärbemittel. Zusammen mit anderen Arzneipflanzen wird die Kostwurz eingesetzt bei Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Asthma, bei Verdauungsbeschwerden wie Blähbauch und Verstopfung und bei Erkrankungen von Leber und Gallenblase sowie bei Cholera.

Wegen der Intensität des Geruchs wird die nachhaltig duftende Wurzel in China als Fixativ in der Parfumindustrie verwendet.

 

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zuletzt bearbeitet am 2.VII.2026