18. Juni 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Brunnenkresse - „quält die Nase“ und befreit die Bronchien

Astrid von Reis

Kenner von Brunnenkresse (Nasturtium officinale R.Br.) wundern sich sicherlich, dass diese Pflanze von den Gelehrten Karls des Großen in die Pflanzenliste des Capitulare de villis aufgenommen wurde. Eine Sumpf- bzw. Wasserpflanze, die im Flutraum von Bächen, Quellen und Wassergräben, also in leicht bewegtem, sauerstoff- und nährstoffreichem Wasser vorkommt. Diese besonderen Standortansprüche bedeuteten tatsächlich eine Herausforderung für Landgüter und Pfalzen, die alle Pflanzen vorhalten sollten – muss die Pflanze doch mindestens 1-2 cm mit Wasser überstaut sein.

Oft wurden für die Kultur von Brunnenkresse Brunnen und angestaute Überläufe als auch Gräben, durch die Brunnenwasser geleitet wurde, genutzt. Eine Methode zur Aufzucht in großen Mengen wurde unter Napoleon in Frankreich eingeführt und international übernommen: Dabei werden die Pflanzen in terrassenartig angeordneten Beeten gezogen und Bach-oder Brunnenwasser wird von oben nach unten durchgeleitet. Interessanterweise liegt das Zentrum des Anbaus auch heute noch nördlich von Paris.

Unverkennbar gehört die Echte Brunnenkresse mit ihren vier über Kreuz stehenden, nur wenige Millimeter großen weißen Blütenblättern zur Familie der Kreuzblütler. Viele kleine Blüten bilden einen traubigen Blütenstand. Die Früchte sind etwa 18 Millimeter lange, leicht nach oben gebogene Schoten mit zwei, in parallelen Reihen angeordneten Samen. Die Echte Brunnenkresse ist ein ausdauerndes Kraut, deren bis zu 3 Meter lange Stängel meist kriechend sind und sich erst an der Spitze aufrichten. Die Blätter sind einfach, oft leierförmig gefiedert mit bis zu 9 Fiederblättchen. Die im Wasser flutenden Blätter sind meist größer und in mehr Fiedern geteilt als die Luftblätter.

Brunnenkresse enthält die Vitamine A, reichlich C (80 mg auf 100 g Pflanzenmasse), D und E, Flavonoide, Mineralstoffe, insbesondere Jod, Eisen und Phosphor, ätherische Öle, Gerb- und Bitterstoffe sowie Senfölglykoside und ist recht gesund. Wer den pfeffrig scharfen, rettichartigen, leicht bitteren Geschmack der Brunnenkresse mag, kann die ganze Pflanze in Salaten, Kräutersoßen, -dips und –suppen, Eierspeisen und sogar in Desserts verwenden.

Schon früh wurde in der Volksmedizin die Brunnenkresse als Mittel gegen Skorbut, Arthritis und Rheuma, als blutreinigendes Mittel und Katarrhe der oberen Atemwege angewandt. Heute, auch anerkannt von der Schulmedizin, wird die Pflanze durch den hohen Gehalt an Vitamin C und die antibiotisch wirkenden Senföle zur Behandlung von Husten und Bronchitis empfohlen.

Zuletzt noch ein paar Worte zum botanischen Namen der Brunnenkresse. Auch hier spielen vor allem die Senfölgykoside und ihre Zerfallsprodukte eine bedeutende Rolle. Nasturtium setzt sich aus den lateinischen Namen ‚nasus‘ für Nase und ‚tonquere‘ für quälen zusammen. Isst man Teile der Pflanze pur, „quält“ tatsächlich der bittere und scharfe Rettich-/ Kressegeschmack (auch) die Nase.

 

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zuletzt bearbeitet am 2.VII.2026