25. Juni 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Das Birkhuhn und sein besonderer Balztanz

Karl Josef Strank

Sich mit besonders auffallenden und schönen Federn zu schmücken ist eine alte Gewohnheit. Diese findet sich nicht nur bei indigenen Völkern in Amazonien oder der Inselwelt Ozeaniens, auch bei uns tragen traditionell Schützen- und Trachtenvereine oder Damen als modisches Accessoire Federn am Hut. Einem früher weit verbreiteten Wildhuhn wurde die Jagd nach den besonderen Federn fast zum Verhängnis. Das Birkhuhn zeichnet sich durch gerollte Schwanzfedern aus, die noch heute viele Hüte „zieren“.

Der Birkhahn, auch Spielhahn genannt, führt einen spektakulären Balztanz auf. Er spreizt die Schwanzfedern halbmondförmig, ab, die Rosen, die nackten roten Schwellkörper über den Augen schwellen an und er vollführt ruckartige Sprünge begleitet von lautem Flügelschlagen. Mit geblähtem Hals stößt er einen langanhaltenden kollernden Ruf aus. Das auffällige Werbungsverhalten der Birkhähne stand Pate für den traditionellen Schuhplattler-Tanz junger Männer und Frauen. Erstere ahmen den Flügelschlag durch Klatschen auf die Knie nach. Beim Sprung rufen sie ein schallendes „juhui“.

Die auffälligen gerollten Schwanzfedern waren fester Bestand der Uniformkappen der Tiroler Kaiserjäger, der Gebirgstruppe des Habsburger Kaiserreiches. Sie waren auch Schmuck der Jäger-, Schützen- und anderer Trachten. Noch lange wilderten junge Männer den Spielhahn der Federn wegen, die als angemessene Gabe für den hochzeitlichen Brautschmuck galten. Wurden sie erwischt, nahm man ihnen die Waffe ab, aber die Federn als Trophäe durften sie behalten, denn es war fester Brauch, dass der Bräutigam den Hochzeitshahn selbst erbeuten musste.

Im Ergebnis sind die Bestände des Birkhuhns bis zur regionalen Ausrottung stark zurückgegangen. Hinzu kam der Verlust des Lebensraums. Große Flächen von Hoch- und Niedermooren wurden durch Entwässerung und Abtorfung zerstört. Inzwischen setzt wegen der immensen Bedeutung der Moore als CO2-Speicher für unser Klima ein Umdenken ein. Bleibt zu hoffen, dass mit der Regeneration des Lebensraums auch das Birkhuhn wieder zurückkehrt.

Deren pflanzliche Nahrung besteht hauptsächlich aus Knospen, Beeren, Wurzeln, Blättern und Blüten. Wird diese knapp, werden auch Larven und Insekten verspreist, die auch eine wichtige Rolle bei der Aufzucht der Jungen spielen. Nach der Balz im Frühling legen die Hennen sechs bis zehn Eier. Sie ziehen die Jungen alleine groß, die nach vier Wochen weitgehend selbstständig sind und bis zum Herbst im Familienverband bleiben.

In der Region gibt es Birkhühner im Hohen Venn, deren Bestand bis in die 1990er Jahre recht konstant war. Danach ging es bergab und das Birkhuhn drohte komplett zu verschwinden, obwohl der Lebensraum passt und die Natur dort noch vergleichsweise störungsfrei ist. Unter Mitwirkung der Forschungsstation der Universität Lüttich auf Mont Rigi gibt es in den letzten Jahren ein Auswilderungsprogramm mit Birkhühnern aus Schweden dank dem der Bestand wieder steigt.

 

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zuletzt bearbeitet am 2.VII.2026