27. Aug: 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Die Blauracke – türkisfarbenes Juwel der Lüfte

Karl Josef Strank

In der Kunstgeschichte ist die Blauracke eine feste Größe seit Albrecht Dürer 1512 sein Aquarell „Flügel einer Blauracke“ malte. Es ist eine der berühmtesten Naturstudien der Renaissance und besticht durch seine akribische Präzision. Die leuchtenden, türkisblauen Farben verleihen den schillernden Federn des Vogels Leben. Als ich neulich anlässlich eines Abiturtreffens mein altes Gymnasium besuchte, entdeckte ich in den Vitrinen der naturkundlichen Sammlung das Präparat einer Blauracke (siehe Bild).

Sie war früher ein weit verbreiteter Brutvogel in Mitteleuropa, heute ist sie in weiten Teilen verschwunden und neuerdings verzeichnet man in Nord- und Südeuropa einen merklichen Rückgang der Bestände. Mit ihrem leuchtend farbigen Gefieder erinnert sie an tropische Vögel und in der Tat ist sie der einzige europäische Vertreter einer ansonsten tropisch verbreiteten Sippschaft.

Blauracken ähneln im Habitus einer kleinen Krähe mit verhältnismäßig großem Kopf und kurzem Hals, einem kräftigen, deutlich gerundeten und leicht gebogenem Schnabel. Spektakulär ist das Gefieder. Kopf, Hals und die gesamte Bauchseite sind türkis. Stirn und Kinn sind weiß-grau. Vor und hinter den Augen befindet sich eine schmale, unbefiederte schwarze Region. Schulter und Rücken sind rötlich-hellbraun, der untere Rücken violettblau und die Oberschwanzdecken ultramarinblau gefärbt. Die Handschwingen sind braunschwarz und die Armschwingen wechseln nach türkis. Das einzigartige Farbspektrum der Flügeldecken ist im Aquarell von Dürer meisterhaft wiedergegeben.

Die Männchen der Blauracke vollführen im Frühjahr von Mitte April bis Anfang Mai zur Abgrenzung des Reviers über hohen Bäumen gaukelnde Flugspiele mit spektakulären Sturzflügen und lauten „RakRak“ Rufen. Sie bevorzugen als Lebensraum die Ränder offener sehr lichter Waldbestände alter Eichen- oder Kiefernwälder mit angrenzenden Heiden, Wiesen, Weiden oder extensiv genutzten Flächen, die einen hohen Insektenreichtum aufweisen. Früher konnte man sie oft auf Getreidemandeln, die dank moderner Mähdrescher-Technik völlig aus der Landschaft verschwunden sind, beobachten, weshalb sie auch als „Mandelkrähen“ bezeichnet wurden.

Als Höhlenbrüter sind sie angewiesen auf alte natürliche Baum- oder verlassene Spechthöhlen. Bei Sand- oder Lössabbrüchen graben sie selbst Bruthöhlen ähnlich wie die Bienenfresser. Jagdverhalten und Nahrungsspektrum sind ebenfalls ähnlich: vom Ansitz jagen sie Heuschrecken, Libellen, Zikaden, Schmetterlinge, schwerpunktmäßig Käfer. Gelegentlich Reptilien, Amphibien, kleine Säugetiere. Auf dem Zug ergänzen Pflanzenfrüchte das Nahrungsangebot.

Anfang August bis Mitte September ziehen die Blauracken in die Überwinterungsgebiete im südlichen Afrika. Sie führen eine monogame Saisonehe und die große Brutorttreue dürfte zur häufigen Wiederverpaarung mit letztjährigen Brutpartnern führen. Die Jungvögel in den Brutröhren koten zur Abwehr von Räubern diese ein und erbrechen bei Gefahr ein übelriechendes Magensekret.

 

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zuletzt bearbeitet am 30.VIII.2026