20. Aug: 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Minzen: erfrischend, belebend, heilsam

Ruth Gestrich-Schmitz

Minzen wollte schon Karl der Große in seinen Gärten angebaut haben. In der Pflanzenliste seiner Landgüterverordnung sind u.a. die Ährenminze (Mentha spicata), die Rossminze (Mentha longifolia) und die Wasserminze (Mentha aquatica) genannt. Sie gehören zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), die als typische Merkmale einen vierkantigen Stängel, kreuzgegenständige Blätter, eine zu einer trichter-lippenförmigen Röhre verwachsene Blütenkrone und vier Nüsschen-artige, sog. Klausen-Früchte ausbilden.

Die Minze-Arten sind nur schwer auseinander zu halten, denn sie bilden häufig untereinander Bastarde. Bekanntestes Beispiel ist die Pfefferminze (Mentha x piperata), wahrscheinlich im 17. Jh. als Hybride aus der Ährenminze und der Wasserminze entstanden.

Wasser-Minze (Mentha aquatica)

Wegen ihres frischgrünen Aussehens wird der Ährenminze auch Grüne Minze, wegen der Form der Blätter Krause Minze genannt. Von Juli bis Oktober locken die Minzen mit ihren zahlreichen lila oder rosa gefärbten Lippenblüten zahlreiche Insekten an.

Verbreitet sind Minzen in Europa, Asien und Afrika, wo sie seit Urzeiten auf feuchten Böden kultiviert werden. Allen Minzen gemeinsam ist ein charakteristischer Inhaltsstoff, das Menthol, wobei die Wildpflanzen in der Regel weniger von diesem ätherischen Öl enthalten als die Bastarde. So ist der Gehalt in der Pfefferminze sehr hoch, was ihr einen besonders intensiven, scharfen Geschmack verleiht, der ihr die Bezeichnung „Pfeffer“ eingebracht hat. Menthol ruft in Wechselwirkung mit temperaturempfindlichen Rezeptoren der Haut ein leicht betäubendes Kältegefühl hervor: Das Einreiben der Stirn mit dem ätherischen Öl hilft so gegen Kopfschmerzen. Minzen werden seit alters her, meist in Form von Tee, bei fiebrigen Erkältungen, als krampflösend bei Verdauungsproblemen, zur Anregung des Appetits und als beruhigend für das Nervensystem verwendet. Säuglinge und Kleinkinder sollte man allerdings nicht mit Minze behandeln: Menthol kann Kehlkopfkrämpfe und Atemnot auslösen! Erwachsene reagieren in der Regel unempfindlich. Aber auch hier kann man des Guten zu viel tun: Es konnte geschehen, dass, wenn man sich früher nach dem Grund des Verscheidens alter, kranker Patienten erkundigte, man zur Antwort bekam: „Der hat einen Pfefferminz-Schlag gekriegt!“ Es kommt halt immer auf die Dosis an.

Schon früh erkannte man die guten Eigenschaften der Minzen als ein Körper und Geist stärkendes Mittel. Ihres Duftes wegen wurden sie in der Antike als Symbol der leidenschaftlichen Liebe angesehen. Bis heute stehen die Minzen für Gesundheit, Heilkraft, Liebesleidenschaft und auch für Gastfreundschaft: Ein Glas Minz-Tee als Willkommensgruß ist beispielsweise in Marokko eine Geste der Ehrerbietung.

Minzen sind ein beliebtes Gewürz, vor allem in England, wo gerne Lammbraten mit Minz-Gelee serviert wird. Nicht zu vergessen die leckeren Minz-Schokolade-Täfelchen mit Suchtfaktor. Erfrischung bringt die Minze Kaugummi-Fans, denn die Ährenminze, englisch „spearmint“ genannt, ist das Hauptgewürz des „chewing gums“.

Und an besonders heißen Tagen freue ich mich auf eisgekühlte Limonade, selbst zubereitet aus mit Minz-Blättern aromatisiertem Apfelsaft aus dem Rabental, aufgegossen mit Sprudel.

 

voriger Artikel ← | → nächster Artikel

Auswahl nach Erscheinungsdatum

Auswahl nach Themenstichwort

Startseite

zuletzt bearbeitet am 30.VIII.2026