13. Aug: 2026
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
Allergie auf die Beifuß-Ambrosie
Ulrich Strack
Lassen Sie uns einmal anders anfangen: Kennen Sie den Beifuß (Artemisia vulgaris)? Er wächst bei uns oft am Wegesrand und ist eine alte Gewürz- und Heilpflanze. Beifuß kann 1,5 Meter hoch werden, hat unterseitig weißfilzige und stark geschlitzte Blätter, einen oft rötlich überlaufenden Stängel ohne Härchen und unscheinbare Blüten, die in Rispen angeordnet sind. Beim Zerreiben der Blätter duftet es angenehm würzig.
So weit, so gut. Im 19. Jahrhundert kam aber aus Nordamerika eine oberflächlich ganz ähnliche Pflanze zu uns. Sie heißt Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) und ist quasi das Schwarze Schaf aus der Familie der Korbblüher. Erst bei näherem Hinsehen zeigen sich gewisse Unter-schiede: Zum Beispiel sind die Blüten der Beifuß-Ambrosie in Trauben angeordnet und ihre Blattunterseiten haben keine filzigen Härchen. Dafür ist aber der Stängel behaart. Die Blüten sind gelblich und nicht eher braun wie beim Beifuß. Außerdem fehlt der Duft beim Zerreiben der Blätter. Aber Vorsicht! Probieren Sie das nicht, wenn Sie zu Allergien neigen! Besonders nicht im Spätsommer und Herbst. Dann ist nämlich Blütezeit. Denn während auch der Blütenstaub des Beifußes manchen Allergikern schon gewisse Probleme bereiten kann, sind die Pollen der Beifuß-Ambrosie sehr viel aggressiver.
Woran liegt das? Schon eine sehr geringe Pollenkonzentration von vielleicht 10 Pollen in einem Kubikmeter Luft kann bei empfindlichen Menschen Krankheitserscheinungen verursachen. Und die Blüten produzieren geradezu enorme Mengen davon: bis zu einer Milliarde pro Pflanze. Das ist zwar beim Beifuß ähnlich, aber die allergene Wirksamkeit des Blütenstaubs von Ambrosia artemisiifolia ist extrem viel höher; etwa so wie von allen unseren Bäumen und Gräsern zusammen. Außerdem sind die Pollen mit 10 bis 20 µm ganz besonders klein und können sehr tief in die Lunge vor-dringen. Das kann in ungünstigen Fällen sogar zu Asthma mit Atemnot führen. Meistens be-schränken sich die Symptome aber auf starken Schnupfen, Husten, tränende Augen und allgemeine Abgeschlagenheit.
Wer gegen Beifußpollen allergisch reagiert, wird meistens auch auf Ambrosiapollen und oft auf gewisse Lebensmittel wie Sellerie, Möhre und bestimmte Gewürze reagieren. Das nennt man eine Kreuzallergie. Hier hatte das Immunsystem der Betroffenen schon Gelegenheit, Antikörper gegen Eiweißstoffe von Beifußpollen zu bilden, und findet nun ähnliche Eiweißstoffe in Ambrosiapollen oder Lebensmitteln.
Pollen sind zwar sehr klein, aber bei Weitem nicht so klein wie z.B. Viren. Deshalb ist eine FFP2-Maske, wie sie zu Zeiten der COVID-19-Pandemie genutzt wurde, ein hervorragender Schutz. Wenn Sie Ambrosiapflanzen entsorgen müssen, empfehlen sich außerdem Handschuhe und eine Schutzbrille sowie eine Kopfbedeckung und Kleidung, die den ganzen Körper bedeckt. Wechseln Sie Kleidung nach der Arbeit. Die Pflanzenabfälle sollten Sie nicht auf den Kompost entsorgen, sondern in einem geschlossenen Beutel im Restmüll.
zuletzt bearbeitet am 30.VIII.2026