6. Aug: 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Der Gewöhnliche Blutweiderich, ein Naturtalent

Margit Rößer

Heimische Wildpflanzen sind selten geworden, dabei sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge und dienen Raupen oft als Futterpflanze. Der Gewöhnliche Blutweiderich ist ein auffälliges Staudengewächs aus der Familie der Weiderichgewächse. Weiderich bedeutet weidenartig und bezieht sich auf die schmale und flaumig behaarte Form der Blätter. Der Namensteil „Blut“ könnte ein Hinweis auf die Verwendung der Pflanze sein. Aufgrund des hohen Gerbstoffgehaltes wurde sie in der Antike als blutstillendes Mittel genutzt.

Aus dem unterirdischen Rhizom wachsen vier- oder mehrkantige aufrecht stehende Stängel, die eine Länge von einem halben bis zwei Metern erreichen. Die unter Wasser liegenden Triebe bilden ein spezielles Durchlüftungsgewebe, mit dessen Hilfe das Rhizom mit Sauerstoff versorgt wird und wodurch Staunässe toleriert wird.

Die Blütezeit dauert von Juli bis September. Der Blutweiderich wächst bevorzugt an sonnigen, wechselfeuchten und nährstoffreichen Standorten wie Feuchtwiesen oder Gewässerufern. Leuchtende purpurfarbene Blüten stehen wechselständig mit dreizähligen Quirlen in langgezogenen Ähren, die bis zu einem halben Meter lang werden. Jeder Blütenstand kann 100 und mehr Blüten hervorbringen, die einzelne Blüte besteht aus fünf bis sechs Kronblättern. Eine einzige Pflanze kann in ihren Kapseln bis zu drei Millionen Samen produzieren.

Interessant ist die trimorphe Form des Blutweiderichs, die schon Darwin beschrieben hat. Sie bezieht sich auf die unterschiedliche Form beziehungsweise Länge des Blütenstempels. Dieser weibliche Teil des Befruchtungsapparates ist in lang-, mittel- und kurzgriffeliger Form ausgebildet. Auch die Staubfäden gibt es in drei verschiedenen Längen, mit Pollenkörnern in unterschiedlicher Farbe und mit unterschiedlichem Durchmesser. Die Pollenkörner der längsten Staubfäden sind grün und größer im Durchmesser, die der kürzesten kleiner und gelb. In jeder Blüte findet man zwei verschiedene Längen von Staubfäden, jedoch nie von gleicher Länge des Blütenstempels. Eine Befruchtung kann nur erfolgen, wenn die Länge von Blütenstempel und Staubfäden übereinstimmt. Für die Pollenkompatibilität ist die Narbe zuständig. Die Befruchtung kann also nicht innerhalb einer Blüte geschehen. Darwin spricht in diesem Fall von legitimer beziehungsweise illegitimer Verbindung. Dies begünstigt die Fremdbestäubung, was eine genetische Vielfalt garantiert mit einer hohen Resistenz gegen Krankheiten.

Das Verbreitungsgebiet ist sehr groß und erstreckt sich über weite Teile Eurasiens bis nach Australien. In Nordamerika gilt er als Neophyt und zu seiner Bekämpfung wird dort der Marmorierte Zwergrüssler eingesetzt, der seine Eier in den Blütenknospen ablegt und diese so zerstört.

Der Gemeine Blutweiderich wurde 2024 vom Bund der Staudengärtner zur Staude des Jahres gekrönt.


 

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zuletzt bearbeitet am 30.VIII.2026