30. Juli 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Pierre-Joseph Redouté, der Raffael der Blumen

 Karola Dahmen

Seine Blumendarstellungen kennen wir von unzähligen Postkarten, Tassen, Tapeten oder Stoffen her. Mal mit, meist aber ohne Bezug zu seinem Namen. Fällt dieser, so ist die Verbindung zu einer ganz bestimmten Blume schnell hergestellt: der Rose. Immerhin ist gerade sie es, die ihm neben seinen Lilienbildern einen gesonderten Status in der Geschichte der Blumenmalerei hat zukommen lassen und eng mit dem Beinamen „Raffael der Blumen“ verwoben ist.

Gerade einmal 131 Kilometer von Aachen entfernt, am 10. Juli 1759 im belgischen Saint-Hubert geboren, wuchs Pierre-Joseph Redouté (1759–1840) mit vier weiteren Geschwistern in einer Künstlerfamilie auf. Nach einigen Wanderjahren, in denen er sein Geld als Porträtmaler verdient hatte, gelangte er 1782 in Paris an, wo er zunächst zusammen mit seinem Bruder als Bühnenbildner arbeitete, sich selbst aber gern in seiner Freizeit im Naturkundemuseum aufhielt und malte. Hier mag er den damaligen Professor für Blumenmalerei am Jardin des Plantes und späteren Inhaber des Lehrstuhls für Naturikonografie am Muséum national d’histoire naturelle Gérard van Spaendonck (1746–1822) kennengelernt haben, der ihn alsbald zu seinem Assistenten ernannte und ihn nach exakt einzuhaltenden Vorgaben botanische Zeichnungen für die Vélins du Roi anfertigen ließ. Pro Blatt hatte hier eine einzige Pflanze vor neutralem, weißem Hintergrund aufzutauchen. Blätter, Blüten sowie Sprossachsen mussten genau zu erkennen sein, während seitlich oder in der unteren Hälfte des Blattes Knospe, Blütenstempel, Samenkapsel und gegebenenfalls Frucht oder Same zu erscheinen hatten. Künstlerische Freiheiten jedweder Art waren nicht erlaubt. Alles sehr eindrucksvoll in den von Étienne Pierre Ventenats herausgegebenen Description des plantes nouvelles et peu connues, cultivée dans le Jardin de J. M. zu verfolgen. Doch drehen wir noch einmal das Rad der Geschichte zurück.

Mit dem wohlhabenden Amateurbotaniker und Anhänger Carl von Linnés Charles Louis L'Héritier de Brutelle (1746–1800) gesellte sich ein weiterer zahlungskräftiger und kenntnisreicher Förderer hinzu, sodass Redouté sich ganz der Pflanzenmalerei widmen konnte. Einer Malerei, die sich dank seines Londoner Aufenthalts (1786/7) grundlegend veränderte, lernte er hier doch ein neues Tiefdruckverfahren kennen: den Farbpunktstich. Harte Begrenzungslinien und Flächen wurden durch mal weniger, mal dichter und stärker gesetzte Punkte ersetzt, sodass seine Illustrationen eine botanische Genauigkeit par excellence erzielten. Zudem verliehen sie ihnen einen Ausdruck, der ihn von zeitgenössischen Illustratoren grundlegend unterschied und ihm den Beinamen „Raffael der Blumen“ einbrachte. Ein Unterschied, der Marie Antoinette dazu bewog, ihn zum „Dessinateur du Cabinet de la Reine“ zu ernennen, und Kaiserin Josefine, ihn ihre uns heute von Tellern und Stoffen her bekannten Rosen aus den Gärten Malmaisons zeichnen zu lassen. Nahezu 250 Rosenarten aus aller Welt verewigt auf 170 Tafeln in drei Bänden unter dem Titel Les Roses, doch das ist eine andere Geschichte.

 

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zuletzt bearbeitet am 1.VIII.2026