23. Juli 2026
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
Schnittlauch
Joachim Schmitz
Schnittlauch ist eines der geläufigsten Gartenkräuter. Nicht so bekannt dürfte sein, dass die Art auch wild in den Alpen vorkommt, wo er durchsickerte Steinschutthalden und Schneeböden besiedelt. Daraus ist der Kultur-Schnittlauch gezüchtet worden. Linné kannte wohl nur diese Form. Die hat er Allium schoenoprasum genannt, was deshalb bis heute als Typusname gilt. Der wilde Schnittlauch der Alpen und der angebaute Garten-Schnittlauch wurden früher als verschiedene Unterarten aufgeführt. Heute werden sie nur noch als unbedeutende Varietäten derselben Art behandelt. Dabei wird der wilde Schnittlauch als var. alpinum bezeichnet. In der Verbreitungskarte des Bundesamts für den Naturschutz (floraweb.de) werden die Vorkommen in den Steinpackungen am Rheinufer als natürlich eingestuft. Danach haben sich die Pflanzen vom Quellgebiet des Rheins in den Alpen den ganzen Fluss entlang bis zum Niederrhein ausgebreitet.
Schnittlauch war im Altertum offenbar nicht bekannt. Die Kultur ist wohl im frühen Mittelalter aus Italien in das nördliche Europa gelangt. Nicht unwesentlich hat zu seiner Verbreitung die im Capitulare de villis ausgesprochene Empfehlung beigetragen. Zudem galt den Menschen im Mittelalter der Schnittlauch als Medizin für Jugend und Schönheit, was nicht ganz falsch sein kann, wenn man weiß, dass Zwiebeln allgemein eine verjüngende Wirkung zugeschrieben wird. In der Volksmedizin wird Schnittlauch als Mittel gegen Wurmbefall genutzt.
Schnittlauch enthält Knoblauchöl, allerdings nicht in der Menge wie beim Knoblauch selbst, weswegen er zwar milder schmeckt aber dennoch immer als solcher in Erscheinung tritt. Ernährungsphysiologisch bedeutsam ist der Vitamin C-Gehalt von-40 60 mg pro 100g des frischen Krauts, vor allem im Frühjahr, weil er zeitig nach dem Winter treibt und das erste frische Grün liefert. Schnittlauch ist heute als Küchenkraut in Verwendung, das in Ermangelung eines Gartens auch auf der Fensterbank gezogen werden kann. Da sich beim Trocknen das Aroma verliert, wird Schnittlauch immer nur frisch verwendet.
Wilder Schnittlauch in seiner alpinen HeimatDem Schnittlauch geht es wie dem Knoblauch. Die einen lieben ihn, die anderen mögen ihn nicht besonders. Das ist sogar literarisch belegt: "Ein Mann, der eines Nachmittags müde nach Hause kam, hätte gern ein Stück Butterbrot mit Schnittlauch darauf gegessen." (Johann Peter Hebel) und "Deine Verehrung (...) vor Eierkuchen mit Schnittlauch theil´ ich heut´ nicht" (Karl Gutzkow). Dabei hat Schnittlauch seinen festen Platz in der Hamburger Aalsuppe und der Frankfurter Grünen Soße. In der Gegend von Frankfurt wird heute noch besonders viel Schnittlauch sogar auf ganzen Feldern angebaut. In Frankreich gehört Schnittlauch sogar zu Ragouts und Muscheln.
zuletzt bearbeitet am 1.VIII.2026