16. Juli 2026
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
Die Wurz aller Wurzen die Meisterwurz
Karl Josef Strank
Sie trägt den botanischen Namen Imperatoria* ostruthium. Was schon in ihrem lateinischen Namen „imperator“ (der Herrscher) zum Ausdruck kommt: die Meisterwurz ist eine wahrhaft königliche Pflanze. Sie ist eine beeindruckende Heilpflanze, die seit Jahrhunderten für ihre vielfältigen medizinischen Anwendungen geschätzt wird.
Die Meisterwurz ist typisch für die Alpenregion, wo sie auf den alpinen Hochstaudenfluren in Höhenlagen zwischen 1.000 und 2.500 Metern heimisch ist. Sie hat dreilappige, an der Spitze eingekerbte Blätter. Ihre Blüten sind flache, weiße oder zartrosa Dolden, die im Juli bis August blühen. Sie kann bis zu einem Meter hoch werden und fällt durch ihren starken, würzigen Geruch auf.
Als „Wurz aller Wurzen“ war die Meisterwurz in der Alpenregion früher nicht nur das Mittel erster Wahl gegen Gift, Pest, Verzauberung und den „bösen Blick“, sondern vermochte praktisch alle Krankheiten zu heilen. In Tirol wurde zu diesem Zweck traditionell in der Weihnachtszeit, in den sogenannten Raunächten, mit der Meisterwurzel geräuchert.
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Die heilenden Eigenschaften gehen zurück auf ihre Hauptinhaltsstoffe: Das sind ätherische Öle, die antibakteriell, entzündungshemmend und schleimlösend wirken; Cumarine, diese typischen Heuduft aus, haben blutverdünnende Eigenschaften und fördern die Durchblutung; Harze, die entzündungshemmend wirken und die Wundheilung unterstützen; Bitterstoffe, die die Verdauung anregen und die Produktion von Magensaft fördern.
Die antibakterielle Wirkung hilft, bakterielle Bronchitis abzuheilen. Die gleichen Eigenschaften helfen auch bei schlecht heilenden Wunden, Entzündungen und anderen bakteriellen Infektionen. Unter anderem durch die Bitterstoffe und die ätherischen Öle wird die Verdauung angeregt und die Gallensaftproduktion gefördert. Blähungen werden gelindert. Die Meisterwurz stellt ein pflanzliches Antibiotikum, und ein Antidot (Gegengift) par excellence dar.
Die Meisterwurz blüht von Juni/Juli bis August. Im Frühling, vor der Blüte oder im Herbst werden die kostbaren Meisterwurzen geerntet; dann haben sich alle wertvollen Inhaltsstoffe in der Wurzel konzentriert. Nach der Ernte werden die Wurzeln gründlich gereinigt, in Scheibchen geschnitten und an einem luftigen Platz getrocknet.
Zur innerlichen Einnahme wird entweder ein Tee oder eine Tinktur zubereitet; diese sind auch als fertige Präparate in Apotheken erhältlich. Äußerlich angewendet wird entweder die Tinktur oder ein Brei aus Meisterwurz-Pulver mit Wasser angerührt. Diese Breiumschläge gibt man in der Naturheilkunde auf Geschwüre, Abszesse und schlecht heilende Wunden. Bei Bronchitis und Husten kommt neben der innerlichen Einnahme auch ein Dampfbad in Frage. Wer nicht gleich wegen jeder Erkältung zur chemischen Keule greifen will, der wird dankbar sein für dieses sanft wirkende Heilmittel aus der Natur.
Nicht zuletzt sei an den alpenländischen Meisterwurzschnaps und den Meisterwurzbrand erinnert. Er besitzt ein sehr feines Aroma und ist Genuss und Heilmittel zugleich.
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*Anmerkung des Netzmeisters: Der heute gültige Name ist Peucedanum ostruthium.
zuletzt bearbeitet am 1.VIII.2026