9. Juli 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Was haben Pistazien mit Kaugummi und Terpentin zu tun?

Roland Schulze-Röbbecke

Pistazien mögen wir fast alle. Ein Teil der weltweiten Jahresproduktion von über 1 Million Tonnen landet in unseren Supermärkten, über ihre Herkunft wissen wir aber wenig. Sie wachsen auf Bäumen (Pistacia vera), die ursprünglich aus Zentralasien stammen und vor über 2000 Jahren in den Mittelmeerraum eingeführt wurden. Größte Produzenten sind heute die USA, die Türkei und der Iran.

Mindestens genauso interessant, aber von wirtschaftlich geringerer Bedeutung sind zwei im Mittelmeerraum heimische Verwandte des Pistazienbaums: der Mastixstrauch und die Terebinthe.

Geheimer Star unter den Pistaziengewächsen ist der Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), der in Küstennähe fast des gesamten Mittelmeers wächst. Sein Anbau und die Gewinnung seines als „Mastix“ bezeichneten Harzes auf der griechischen Ägäisinsel Chios wurde in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Auf Chios wird die Rinde der dort baumhohen Pflanzen eingeritzt, sodass das Harz auf den mit Kalkstaub bestreuten Boden tropfen und nach dem Trocknen aufgelesen werden kann. Mastix erzielt hohe Preise als Gewürz für Gebäck und Süßspeisen. Die weltweite Jahresproduktion von etwa 150 Tonnen stammt fast ausschließlich aus Chios, daneben aus kleinen Anbaugebieten des nahegelegenen kleinasiatischen Festlands und der Levante.

Zweige des Pistazienbaums, des Mastix-Strauchs und der Terebinthe

Mastix kann auch als Kaugummi verwendet werden. Zudem gibt es Liköre, Kosmetika und Arzneimittel, die Mastix enthalten. Schon in der Antike wurde es zur Zahnreinigung, als Gewürz und Heilmittel verwendet. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen fanden deutliche Hinweise auf seine Wirksamkeit gegen Diabetes, Bluthochdruck, Bakterieninfektionen, Vermehrung von Krebszellen und einige andere Gesundheitsprobleme. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA empfiehlt Mastix bisher nur zur Behandlung von milden Verdauungsstörungen sowie geringfügigen Hautentzündungen und Wundheilungsstörungen. Es ist aber gut möglich, dass Mastix oder einzelne seiner Inhaltsstoffe künftig als Arzneimittel zur Behandlung weiterer Krankheiten zugelassen werden.

Die Terebinthe (Pistacia terebinthus) wird auch als „Terpentin-Pistazie“ bezeichnet und kann zu mächtigen Bäumen heranwachsen. Im Mittelmeerraum wird sie seit Jahrtausenden als Kulturpflanze genutzt. Aus ihrem Harz wurde früher Terpentin hergestellt, auf Zypern bis heute ein Kaugummi namens „Paphítiki Píssa“. Harz, junge Blätter, Früchte und Samen der Terebinthe werden in der Küche und Volksmedizin besonders des östlichen Mittelmeerraums und der Türkei verwendet. Einige Bestandteile der Terebinthe verlängern die Haltbarkeit von Nahrungsmitteln und bestimmte Extrakte ermöglichen die Anheftung nützlicher Mikroorganismen an Festkörpern, wodurch sich die Herstellung fermentativ erzeugter Nahrungsmittel wie Joghurt und Wein vereinfacht und beschleunigt.

 

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zuletzt bearbeitet am 1.VIII.2026