29. Okt: 2026
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
Die Sumpfzypresse, der Baum, der mit den Knien atmet
Ruth Gestrich-Schmitz
Bei sonnigem Spätsommerwetter besuchte ich kürzlich auf einem Ausflug der Staudenfreunde/Regionalgruppe Aachen den wunderschönen Park von Schloss Dyck. Im dortigen Englischen Landschaftsgarten stehen majestätisch erscheinende Gehölze wie Rieseneibe und Mammutbaum. Neben der Barockbrücke wächst am Wassergraben eine etwa 200 Jahre alte Sumpfzypresse.
An feuchten Standorten fühlt sich die Sumpfzypresse (Taxodium distichum) aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) wohl. Ihr natürliches Vorkommen hat sie im Südosten der USA. Sie gedeiht bevorzugt in den feuchten Niederungen der Everglades in Florida und im Mississippi-Delta. Im geologischen Zeitalter des Tertiärs (vor 66 bis 2,6 Millionen Jahren) kamen Baumriesen der Gattung Taxodium auch hierzulande vor, was fossile Funde in deutschen Braunkohlerevieren belegen. Auf Grund des nachfolgenden eiszeitlich bedingten Klimawechsels verschwanden die Bäume in unseren Breiten. Im Jahr 1640 wurde die Sumpfzypresse aus den USA wieder in Europa eingeführt und ziert seitdem Gärten und Parks.
Die Sumpfzypresse kann bis zu vierzig Meter hoch wachsen, einen Stammumfang von fünf Metern erreichen und über siebenhundert Jahre alt werden. Sie liebt einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit feuchtem Boden und verträgt Überschwemmungen und gelegentliche Trockenphasen. Sie ist winterhart und verträgt Frost bis zu minus 25°C. Auffällig ist ihre hell rötlich- bis graubraune Borke mit senkrecht und spiralig verlaufenden Furchen und sich ablösenden Fasern. Die Sumpfzypresse ist ein sommergrüner Baum, deren Blattaustrieb erst spät im Juni beginnt. Die nadelartigen Blätter, wechselständig angeordnet an Kurz- und Langtrieben, sind bis zu zwei Zentimeter lang, mit zwei grauen Bändern an der Unterseite. Im Herbst verfärben sich die Nadeln leuchtend kupferrot und verleihen dem Baum ein atemberaubendes Aussehen. Als Weihnachtsbaum eignet sich die Sumpfzypresse nicht, denn sie wirft im Herbst die dann dunkelbraun benadelten Kurztriebe ab.
Atemwurzeln (Kniewurzeln) einer SumpfzypresseBereits im Winter bilden sich männliche und weibliche Blütenstände. Die fünf Zentimeter langen männlichen strecken sich im März bis zu einer Länge von zehn Zentimetern und werden im April gelblich. Die weiblichen Blüten sind nur zwei Millimeter lang. Die Samen entwickeln sich in kugelförmigen Zapfen, die zur Reife zerfallen.
Ein besonderes Merkmal der Sumpfzypresse sind die knubbeligen Auswüchse, die man zahlreich am Ufer neben dem Stamm findet, was ich bei einer alten Sumpfzypresse im Schweriner Schlosspark beobachten konnte. Diese markanten Auswüchse des Wurzelsystems sind sogenannte Atemknie (Pneumatophoren), die wohl den Gasaustausch der im Wasser stehenden Wurzeln ermöglichen und auch der Verankerung des Baumes im Boden dienen. Bei uns werden diese Atemknie bis zu fünfzig Zentimeter hoch, in den Everglades bis zu zweieinhalb Meter!
Wegen ihres ähnlichen Aussehens wird die Sumpfzypresse schon mal mit dem Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) verwechselt. Bei einem Spaziergang durch den Von-Halfern-Park in Aachen kann man sich den Unterschied zwischen den beiden Bäumen ansehen: Der Urweltmammutbaum liebt trockene Böden und bildet keine Atemknie aus. Einen weiteren Unterschied sieht man an den nadeligen Kurztrieben, die bei der Sumpfzypresse wechselständig und beim Urweltmammutbaum gegenständig angeordnet sind.
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zuletzt bearbeitet am 1.XI.2026