22. Okt: 2026
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
PIWI: PIlzWIderstandsfähige Reben
Joachim Schmitz
Mitte des 19. Jhdt. experimentierten französische Züchter mit amerikanischen wilden Weinarten. Dabei wurde nicht nur die Reblaus eingeschleppt sondern auch zwei parasitische Pilze, die es zuvor nur in Amerika gegeben hatte, den Echten und den Falschen Mehltau. Trotz des ähnlichen Namens sind sie nicht näher verwandt: Ersterer ist ein Schlauchpilz; Letzterer gehört zu den Eipilzen, die eigentlich wild gewordene Algen sind.
Um 1885 führte eine Zufallsbeobachtung zur Entdeckung der fungiziden Wirkung von Kupfer-Ionen. Millardet, Botaniker der Universität Bordeaux, entwickelte daraus die sogenannte Bordeauxbrühe. D.i. ein Gemisch aus Kupfersulfat, gelöst in gelöschtem Kalk. Damit stand zum ersten Mal ein wirksames Mittel gegen Pilzbefall zur Verfügung. Parallel versuchte man, durch Einkreuzen amerikanischer resistenter Wildreben pilztolerante Rebsorten zu züchten. Die Bordeauxbrühe ließ das aber nun als überflüssig erscheinen.
Vielleicht durch die DDT-Problematik ausgelöst, begann die Öffentlichkeit in den 1960er-Jahren, die ökologischen Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln kritischer zu sehen. Auch im Weinbau wurde es wieder zum Ziel, neue Sorten zu züchten, die weniger intensiv gespritzt werden müssen. So wurde 1967 am Geilweilerhof Regent gezüchtet. Daran beteiligt sind Silvaner, Müller-Thurgau und Chambourcin. Diese rote Sorte ist eine alte französische Kreuzung unbekannter Vorfahren. Genetisch ließ sich aber die Beteiligung resistenter amerikanischer wilder Arten nachweisen. Chambourcin blieb lange unbeachtet und hat sich auch in Frankreich erst ab 1963 verbreitet. 1994 wurde Regent als Sorte zugelassen. Eine Zeitspanne von fast 20 Jahren von der Züchtung bis zur Zulassung ist für Rebsorten nicht ungewöhnlich.
Im biologischen Weinbau sind chemische Pflanzenschutzmittel verboten oder sehr eingeschränkt erlaubt. So wurde die Nachfrage nach pilztoleranten Sorten immer größer.
Besonders das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg tat sich in der Züchtung neuer PIWI-Sorten hervor. 1968 wurde hier der Johanniter entwickelt, 1975 Solaris. Solaris kreuzte man 1982 weiter mit Cabernet-Sauvignon zu Cabernet Cortis. 1983 wurde aus Seyval Blanc und Zähringer der weiße Souvignier Gris gezüchtet. Der pilztolerante Seyval Blanc wurde schon 1919 in Frankreich gezogen, ist aber dann in Vergessenheit geraten.
Im Jahre 2000 gründete sich in der Schweiz die Arbeitsgemeinschaft „PIWI International“. Ziel der AG ist die Verbreitung von und die Information über PIWI-Sorten.
PIWI-Sorten gibt es auch bei uns in der Nähe. Der neue Weingarten bei Nideggen-Berg ist ausschließlich mit solchen Sorten bepflanzt. Gleich der erste Jahrgang erregte in Fachkreisen Aufsehen. Bei der jährlich von der AG PIWI International veranstalteten „PIWI Wein Challenge 2026“ in der Schweiz wurde der als Rosé ausgebaute Cabernet Cortis mit einer Goldmedaille prämiert.
zuletzt bearbeitet am 1.XI.2026