6. Febr. 2025

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Recycling fängt im Garten an.

 Karl Josef Strank

Als 1972 mit der Studie des Club of Rome von Dennis und Donella Meadows „Die Grenzen des Wachstums“ die Beschränktheit vieler Ressourcen auf der Erde so langsam in das Bewusstsein gerückt wurden, machte auch bald der Begriff Recycling die Runde. Darunter versteht man im Allgemeinen die Wiederverwertung und Zurückgewinnung von Stoffen, die dann wieder in einen wirtschaftlichen Kreislauf geführt werden. Einen Schritt davor lohnt es aber auch über die Weiter-„verwendung“ nachzudenken, denn Vieles, dessen wir uns als Abfall zu entledigen gedenken, ist nicht etwa unbrauchbar oder schlichtweg kaputt, sondern kann durchaus noch sinnvoll eingesetzt und weiter genutzt werden. Grundsätzlich ist es gut, alle Materialien, die ja mit Arbeits- und Energieaufwand hergestellt wurden in Gebrauch zu halten, bevor sie dann irgendwann endgültig den Weg alles Irdischen und Vergänglichen beschreiten.

Eine ideale Kreislaufwirtschaft im eigenen Garten kann jeder einrichten, wenn ein Komposthaufen betrieben wird. Alles, was bei der Ernte an Gemüseputz, Salatblättern, Kartoffelschalen, Obstresten etc. anfällt, kann gleich auf den Haufen. Eierschalen reichern den Kompost mit Kalk an und Kaffeesatz ist ideales Futter für die Würmer. Haustiermist, Haare, Federn und Hornspäne werden zu organischem Dünger. Saubere Holzasche ist anorganischer Dünger und sollte nur bis zu 3 % zugesetzt werden. Halme und Stängel von Stauden, Heckenschnitt, langes Stroh, klein geschnittene Äste, Holzhächsel in Mischung eingebracht sorgen für eine gute Durchlüftung. Unter schattenspendenden Sträuchern und feucht gehalten, sorgen Mikroorganismen, Pilze, Würmer und viele Kleintiere für eine gute Rotte, gute Vererdung der Materialien und ergeben einen nährstoffhaltigen, krümeligen und humusreichen Kompost. Dieser kann zur Verbesserung der Bodenstruktur und zur Düngung eingesetzt werden.

Palettenholz ist – wenn es sich nicht gerade um Einwegpaletten handelt – sehr stabil, weil es die Funktion hat als Stapelunterlage zu dienen für Waren aller Art. Die Euro-Palette mit Maßen vom 1,2 X 0,8 Metern kann zu Gartentischen, Sitzbänken und anderen Dingen verarbeitet werden. Geschliffen, poliert und lasiert sind die „Möbel“ haltbar und sogar bequem, wenn sie im Sommer mit Kissen gepolstert sind. Sehr einfach können sie auch zu senkrechten Wänden aufgestapelt werden. In den Zwischenräumen der Bretter angebrachte Kästen oder Töpfe ermöglichen die Bepflanzung als „vertikale“ Beete und bei ausreichender Dichte als „begrünte Wände“. Die Bretter eigenen sich ebenfalls hervorragend zum Bau verschiedenster Nistkästen für Vögel.

Ausgediente Fensterscheiben mit noch intakten Rahmen können durchaus noch einige Jahre als Abdeckung für einen Mistbeetkasten dienen. Dieser ist als Anzuchtbeet im Garten sehr von Nutzen. Der eingearbeitete Mist sorgt im zeitigen Frühjahr für Wärme, wenn in den Flachbeeten noch der Frost und die Kälte vorherrschen. Frühzeitige Anzuchten unter Glas werden so möglich.

Beeteinfassungen aus Ziegelsteinen, Dachziegeln, Weinflaschen, wie sie in Zeiten, als noch nicht alle Materialien im Baumarkt zu haben waren, mehr als eine Notlösung darstellten, sind nicht nur „Retro“, sondern durchaus sinnvoll. Wege aus Pflastersteinen und Baumscheiben geben diesen Materialien ein zweites Leben, bevor sie auf der Deponie landen oder letztendlich verrotten. Zusammengewürfelte Steinhaufen sind kleine Wärmeinseln im Garten und sind Verstecke für Kröten, Eidechsen und Wiesel.

Hecken- und Baumschnitt kann gehäckselt sehr gut als Mulch verwendet werden., aber ebenso „unbehandelt“ der mittel- bis langfristigen Verrottung in Benjes- und Flechthecken übergeben werden. Diese geben einer großen Zahl von Kleintieren, Bodenorganismen und Insekten einen Lebensraum.

Der Garten muss nicht geputzt und gefegt in den Winter gehen und sauber und aufgeräumt im Frühjahr erwachen. Unaufgeräumte und „wilde“ Ecken sind das ideale Revier für den Zaunkönig, der als Bodenbrüter versteckte Nischen und Hohlräume für sein aus Laub, Moosen und Grashalmen gefertigtes Kugelnest aufspürt.

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zuletzt bearbeitet am 9.III.2025