13. Febr. 2025
NATURBEOBACHTER AUS DER REGION
Pflanzen im Liebesbrauchtum
Ruth Gestrich-Schmitz
Jetzt strecken sie wieder ihre weißen Blüten aus dem Boden, die Schneeglöckchen. Für ihre Liebhaber eine wahre Freude und Augenweide. Mit ihrer weißen Farbe symbolisiert diese Blume Reinheit und Jungfräulichkeit. Es verwundert nicht, dass schon für die Germanen das Schneeglöckchen als Sinnbild reiner Jugendliebe und erster unschuldiger kindlicher Zuneigung galt. Schüchterne junge Männer sollen Schneeglöckchen bei sich getragen haben, um durch deren Blütenzauber die Liebe der Angebeteten zu erwecken.
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Die wohl bekannteste mit der Liebe verbundene Blume ist die Rose, die Pflanze der Aphrodite, der griechischen Göttin der Schönheit und der Liebe. Wer einen Strauß roter Rosen schenkt, möchte damit seine leidenschaftliche Zuneigung ausdrücken. Die Heckenrose mit ihren zartrosa Blüten und ihrem feinen, betörenden Duft wird als Sinnbild der ersten Liebe und des in der Liebe erblühenden Mädchens betrachtet.
Wenn der Frühling einzieht, beginnt die Blütezeit der Duftveilchen. Als Liebespflanze hat das Veilchen eine lange Tradition. Die alten Griechen legten eigens Veilchengärten an und nannten die Veilchen „Blumen der Liebe“. Ihr Duft sollte die Ausersehene zum Liebesspiel bewegen. Das Duftveilchen mit seiner anmutenden Erscheinung inspiriert seit jeher zahlreiche Poeten. „Veilchen, zarte Frühlingskinder, hast du heute mir gebracht. Mir gepflückt zur Frühlingsgabe, liebend mein dabei gedacht. Wie der Veilchen zarte Düfte, wie der Frühlingslüfte Wehn, fühl´ ich deiner Liebe Walten, zart und innig mich umwehn“ dichtete 1825 die Lyrikerin Rosa Maria Assing. Wenn man eine heimliche Zuneigung für Jemanden empfindet, ist ein Strauß Veilchen das passende Geschenk, denn die Blume gilt als Symbol für die Liebe im Verborgenen.
Maiglöckchen mit ihrem jungfräulichen Weiß, zu Sträußchen zusammengebunden, trugen früher Mädchen zum Kirchgang oder Maientanz am Mieder, um sie bei passender Gelegenheit dem jungen Mann, den sie gernhatten, an den Hut zu stecken. Denn man glaubte, die Blume könne Glück in der Liebe bringen.
Wenn ab Juni die Linden zu blühen beginnen, lockt ihr betörender Duft die Liebenden unter ihr Blätterdach. Nicht von ungefähr zog es die Verliebten schon zu germanischer Zeit zu den Linden. War doch die Linde der Freya, der germanischen Göttin der Liebe und der Ehe, geweiht. In den herzförmigen Blättern sah man ein Symbol für die Liebe: „Sieh das Lindenblatt, du wirst es wie ein Herz gestaltet finden, darum sitzen die Verliebten auch am liebsten unter Linden“, schrieb Heinrich Heine. Auch die Birke war der Göttin Freya geweiht. Heute noch ist es Brauch, in der Nacht zum ersten Mai der Angebeteten eine bunt geschmückte Birke vor das Haus zu setzen.
Nicht nur Blüten und Blätter, sondern auch Wurzeln spielen als symbolische Liebesmittel eine Rolle. Wurzelscheiben der Zaunrübe legten sich Mädchen vom Niederrhein in die Tanzschuhe mit dem Zauberspruch: „Körfgeswurzel in meinem Schuh, ihr Junggesellen lauft mir alle zu“. Wer Erfolg bei Frauen haben wollte, sollte die Wurzel der Ringelblume bei sich tragen. Auch der Baldrianwurzel wurde Zauberkraft zugeschrieben: „Nimm Baldrian in den Mund und küsse die, die du haben willst; sie gewinnt dich gleich lieb“. Mit Liebstöckelwurzel aromatisiertes Badewasser sollte Mädchen helfen, die Liebe eines Mannes zu gewinnen.
Etwas ganz Besonderes ist es, ein vierblättriges Kleeblatt zu finden. Wer es sich unter das Kopfkissen legt, soll im Traum seiner Liebe begegnen. Legte man ein vierblättriges Kleeblatt heimlich der oder dem Angebeteten in den Schuh, erhoffte man sich Aufmerksamkeit, Liebe und Treue.
Im Brauchtum und Aberglauben spielen Pflanzen, wenn es um die Liebe geht, seit jeher eine bedeutende Rolle. Sie dienen als Liebesgrüße und zur Annäherung und Verständigung von Liebenden. Wir können Blumen sprechen lassen, wo uns die Worte fehlen. Die Blumensprache ist voller Phantasie.
zuletzt bearbeitet am 9.III.2025