10. Sept: 2026

NATURBEOBACHTER AUS DER REGION


Die Krefeldstudie: Eine Stadt wird berühmt...

Margit Rößer

… und schafft es im Dezember 2017 sogar bis in die New York Times. Was war passiert? Eine Gruppe von ehrenamtlichen Insektenkundlern des Entomologischen Vereins in Krefeld hatte zwischen 1989 und 2016 an insgesamt 63 Standorten in Naturschutzgebieten in Deutschland Fluginsekten in sog. Malaisefallen gesammelt und mehrmals jährlich deren feuchte Biomasse bestimmt. Gleichzeitig wurden Klima- und Landnutzungsdaten aufgenommen. Über diesen Zeitraum von 27 Jahren kam es zu einer Reduzierung des Gewichtes der Biomasse um 76,7 %, im Hochsommer sogar um 81,6%. Die Fallen waren in drei verschiedenen Lebensraumtypen aufgestellt, der Rückgang der Insektenmasse war überall im gleichen Ausmaß zu beobachten.

Wissenschaftler, allen voran C. Hallmann von der Universität Nijmwegen kamen zu dem Ergebnis, dass die treibende Kraft für diesen Schwund im ganzjährigen Ackerbau mit engen Fruchtfolgen, intensivem Pestizideinsatz (besonders Neonikotinoide) und erheblichem Düngereinsatz (vor allem synthetische Mineraldünger) zu sehen ist, da 94 % der untersuchten Naturschutzgebiete von landwirtschaftlich intensiv genutzter Fläche umschlossen waren.

Die Roten Listen bestätigen den Rückgang aller bisher bewerteten Insektenarten, ebenso aktuelle europäische und weltweit ausgerichtete Studien. Allein in Deutschland gibt es ca. 34.000 Insektenarten, die für das Gleichgewicht der Ökosysteme unentbehrlich sind. Sie erbringen zahlreiche Ökosystemleistungen, nennen möchte ich nur zwei:
• Bestäubung von Pflanzen (ökonomischer Wert: 3,8 Mrd. Euro/Jahr, allein in D)
• Nahrung für andere Insekten und Tiergruppen wie Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Fische

Durch die großflächigen Monokulturen gibt es immer weniger strukturreiche Kulturlandschaften. Verstärkt durch den massiven Pestizideinsatz kommt es nicht nur zum Rückgang der Artenvielfalt, sondern auch der genetischen Vielfalt der Arten und dadurch zu einem Rückgang der artenreichen Ökosysteme. Das Ziel muss also sein, landwirtschaftliche Anbaumethoden gezielt zu fördern, die nachweislich die Biodiversität und Ökosystemleistungen unterstützen. Blühstreifen in direkter Nähe zu intensiv genutzten Ackerflächen erfüllen diese Bedingungen definitiv nicht.

Heute verstärkt der Klimawandel zusätzlich den Druck auf viele Arten, weil sich die Lebensbedingungen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verändern und einen negativen Einfluss auf die Vernetzung der Ökosysteme haben.

Es gibt viel zu tun: gesetzliche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden für einen großflächigen Schutz von Natur- und Lebensräumen, Renaturierungsprojekte, Städtebegrünung, Waldumbau und vieles mehr. Jeder kann etwas tun im Garten, auf dem kleinsten Balkon: vielfältige heimische Wildpflanzen, eine Brennnesselecke, Nisthilfen, eine offene Sandfläche, Totholz, Steinhaufen bieten nicht nur Nahrung, sondern auch Nistplatz und Nistmaterial und damit den Lebensraum, den Insekten brauchen. Aufklärungsarbeit über den Wert der Biodiversität ist extrem wichtig, um einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt und die Einsicht zu fördern, dass eine intakte Natur unsere Lebensgrundlage und kein Luxus ist.

 

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zuletzt bearbeitet am 1.X.2026